#Amazon Prime

Amazon hat die Vorteile einer Prime-Mitgliedschaft mal wieder aufgestockt. Damit listen sie auf ihrer Homepage nun diese Punkte auf:

Amazon Prime

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schauen wir uns doch mal etwas näher an, was man für den lächerlichen Betrag von knapp 50 Euro pro Jahr bekommt:

Unbegrenzter KOSTENLOSER Premiumversand für Millionen von Artikeln
Was bedeutet das?
Wenn Du heute bestellst, dann wird der Artikel heute oder morgen verschickt. Und ist morgen oder übermorgen bei Dir. Falls nicht, liegt es an der Post. Oder an Hermes. Oder so.
Also nichts anderes als das, was hunderte anderer Online-Händler inzwischen auch anbieten – ohne jährliche Gebühr.

Unbegrenztes Streaming von Filmen und Serienepisoden
Was bedeutet das?
Nein, das Angebot gilt nicht für alle Filme und Serien, die in Amazons Instant Video Shop zur Verfügung stehen. Die Auswahl, welche Filme und Serien bei Prime eingeschlossen sind, ist im Vergleich dazu stark eingeschränkt (man sollte nicht erwarten, irgendwelche aktuellen Sachen zu bekommen). Wer schon Kunde bei einem anderen VoD-Anbieter (Netflix, Watchever, Maxdome etc.) ist, kann darauf verzichten.

Leihen Sie kostenlos eBooks aus
Was bedeutet das?
Halt, verschenken Sie ihre private Bibliothek lieber noch nicht, denn – auch, wenn es so klingen mag – Sie können sich jetzt nicht alle Bücher, die Sie gerne lesen möchten, einfach kostenlos bei Amazon ausleihen.
Genaugenommen kann man nur aus einer eingeschränkten Auswahl von eBooks (nein, natürlich nicht aus dem gesamten Amazon-Angebot) ein Buch pro Monat ausleihen und das dann auf einem Kindle oder einer Kindle-App lesen. Also, wenn Sie von diesem Vorteil was haben wollen, lieber Prime-Kunde, dann kaufen Sie sich doch bitte auch einen Kindle dazu. Ist derzeit sogar im Angebot.

Versandkostenfrei – auch für Prime-Artikel unter 29 EUR
Was bedeutet das?
Gut, das klingt jetzt irgendwie fast wie Punkt 1. Aber dieser neue Punkt macht die Liste der Prime-Vorteile länger und das sieht dann einfach besser aus.
Außerdem sollte beachtet werden, dass Artikel unter 10 Euro von Amazon gerne als „Plus-Produkte“ bezeichnet und nicht einzeln bestellt werden können. Auch für Prime-Kunden gibt es die nur zusätzlich zu einer anderen Bestellung. Und Marketplace-Artikel fallen natürlich auch erst mal aus dieser Versandkosten-Befreiung raus. Hier entscheidet der Verkäufer darüber, ob Versandkosten anfallen oder nicht. Also kann es da sogar sein, dass man bei einem Artikel über 29 Euro für den Versand bezahlt – trotz Prime.
Daher sollte der Punkt eigentlich heißen: Versandkostenfrei – auch für Artikel von 10 – 29 Euro, die direkt von Amazon verkauft werden. Aber das klingt dann halt scheiße.

Premiumzugang zu allen Amazon Blitzangeboten
Was bedeutet das?
Dies ist die neueste Ergänzung der Prime-Vorteile.
Für Prime-Kunden werden die Blitzangebote früher freigeschaltet, mit denen Amazon für gewöhnlich unverkäufliche Artikel verbilligt aus den Lagern räumt (okay, ganz ehrlich … ab und zu sind auch mal Schnäppchen dabei)
.
Sollte also jemand darauf angwiesen sein, einen 10-er Pack Zahnpasta oder eine Hose, die vor 3 Jahren modern war, bevorzugt zu bekommen … für 49 Euro im Jahr ist er dabei.

Premiumzugang zu Verkaufsaktionen auf Amazon BuyVIP
Was bedeutet das?
Hier eine kurze Beschreibung, was BuyVIP überhaupt ist: Der Shopping Club für Fashion & Lifestyle. Top Marken bis zu 70% reduziert. (Originaltext der BuyVIP-Seite)
Also nicht mehr als eine abgetrennte Abteilung von Amazon, die einen Hauch von Exklusivität verströmen möchte und dadurch die Leute dazu animieren soll, mehr Geld auszugeben, weil sie ja etwas „Besonderes“ (ein VIP) sind.
Und mit Prime sind sie dann noch besonderer…erer und VIPpiger, weil sie zu diesem exklusiven Kreis auch noch einen Premium-Zugang haben (fällt da tatsächlich jemand drauf rein?).
Demnach bewegen sich quasi die Nicht-Prime-VIPs schon wieder in Richtung VUPs oder „Deppen der Abteilung“.

Unbegrenzter Speicherplatz für Fotos über Amazon Cloud Drive
Was bedeutet das?
Ich soll meine Fotos außer bei Google, Facebook, Flickr, Dropbox, Apple, Microsoft, der Telekom sowie weiteren gefühlten 375 Cloud-Anbietern jetzt also auch noch bei Amazon auf den Servern lagern. Warum?

Interessant ist auch der Zusatz „Sie können Ihre Mitgliedschaft jederzeit kündigen“.
Was bedeutet das?
Können Sie natürlich. Aber bitte erwarten Sie nicht, Geld zurückzubekommen. Das angefangene Prime-Mitgliedsjahr läuft selbstverständlich noch bis zum Ende weiter. Was hatten Sie denn gedacht?

Als Ankündigung zum darauf-freuen:
In den Staaten hat Amazon jetzt den Dash-Button eingeführt. Bei dieser genialen Idee dürfen Prime-Kunden für je 5 Dollar Dash-Buttons verschiedener Verbrauchsartikelhersteller, wie z.B. für Waschmittel kaufen. Diesen Plastikknopf kleben sie sich irgendwo hin, z.B. an die Waschmaschine. Und wenn sie dann feststellen, dass das Waschmittel langsam zur Neige geht … ein Druck auf den Knopf und Amazon schickt Nachschub nach Hause.
Sach ma … hat die Welt wirklich auf sowas gewartet? Nicht genug, dass die Leute ihren dicken, faulen Hintern sowieso immer schwerer vom Sofa hoch- und aus dem Haus rausbekommen. Nein, jetzt müssen sie zum Einkaufen nicht mal mehr das Hirn einschalten, um eine reguläre Online-Bestellung abzuschicken, sondern nur noch mit den fetten Stummelfingern auf einen Knopf drücken…?
Ich dachte ja zuerst wirklich, das wäre ein Aprilscherz (weil die ersten Meldungen zur Beta-Phase dieses neuen Prime-Galaktikus-Superduper-Services um den ersten April herum aufkamen). Aber nein, das gibt es tatsächlich.
Bitte sagt mir Bescheid, wenn man mit diesen Plastikknöpfen auch irgendwann mal Hirn nachfüllen kann. Ich kenne da so einige, denen ich diese Dinger dann gerne als Weihnachtsgeschenk auf die Stirn pappen würde.
Manche Sachen sind so sinnlos, da fehlen sogar mir fast die Worte. Fast.
Aber ich schweife ab.

Was bedeutet das Ganze Geprime nun für mich als Nicht-Prime-Kunden?

Ich habe eine Mindest-Bestellmenge von 29 Euro, wenn ich keine Versandkosten bezahlen will. (Bücher mal außenvor, aber die kaufe ich eh beim Händler vor Ort.)
Als Netflix-Kunde brauche ich das Amazon-Streaming nicht.
Als Nicht-Kindle-Besitzer kann ich mit dem einen kostenelosen eBook pro Monat leider nichts anfangen.
Da ich die 49 Euro Primegebühr nicht bezahle, ist es Glückssache, ob ich von den Blitzangeboten etwas abbekomme oder nicht.
Das BuyVIP-Dingens habe ich vorher nicht vermisst und deshalb ist es jetzt auch nicht wirklich ein Argument, 49 Euro pro Jahr zu bezahlen.
Ich darf nicht unbegrenzt Fotos auf Amazon-Servern lagern. Aber da mir bis heute sowieso noch niemand argumentativ erklären konnte, warum ich private Bilder auf irgendwelche Computer im Ausland kopieren sollte, stört mich das nicht wirklich.
Meine als „sofort lieferbar“ gekennzeichneten Bestellungen brauchen dank offensichtlich absichtlicher Lieferverzögerung teilweise schon bis zu einer Woche (nein, das liegt dann nicht am Kurierdienst, sondern am verspäteten Versand durch Amazon).
Dafür spare ich 49 Euro pro Jahr, für die ich in anderen Läden richtige Waren bekomme. Nicht nur Pseudo-Vorteile.

Alles in allem … vielen Dank Amazon. Nachdem ich jahrelang zufriedener Kunde war, der tausende von Euros bei Dir gelassen hat, lieferst Du mir jetzt ständig weitere Argumente, mein Geld zu anderen Händlern zu tragen. Denn dort bin ich als normaler Kunde gerne gesehen. Was bei Dir offensichtlich nicht (mehr) der Fall ist.
Mir durch 49 Euro Eintrittsgeld pro Jahr das Gefühl zu erkaufen, als Kunde etwas wert zu sein, habe ich nicht nötig. Nicht mal beim größten Versandhändler der Welt.

Aber weil ich Dich ja eigentlich trotzdem noch so lieb habe, kommen hier ein paar Ideen, was Du in Zukunft noch mit Deinem Prime-Service anstellen könntest:

Die Produktbewertungen können nur noch von Prime-Mitgliedern eingesehen werden.
(Schließlich sollten diese wertvollen Informationen Euren wichtigen Kunden vorbehalten bleiben.)
Nicht-Prime-Mitglieder haben nur noch eingeschränkten Zugriff auf Eure Webseite.
(Dieses geizige Gesocks braucht Ihr sowieso nicht.)
Lieferung nur noch an Prime-Mitglieder. Nicht-Prime-Kunden können sich die Waren in Amazon-Lagerhäusern selbst abholen.
(Vielleicht bekommen sie die Artikel dann ja schneller.)
Verkauf an Nicht-Prime-Kunden nur noch gegen Vorauszahlung.
(Sicher ist sicher. Denn wer sich weigert, den Prime-Eintritt zu bezahlen, ist ja sowieso potentiell zahlungsunfähig.)

Wenn Dir diese Premium-Ideen gefallen und Du sie umsetzt, überweise mir bitte für jeden Vorschlag 49 Euro pro Jahr.

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