Mein neuer ebook-Reader

So, der nächste Schritt in meiner persönliche De-Amazonisierung ist getan und ich habe mir als Ersatz für meinen Kindle einen neuen ebook-Reader gekauft (gut, um meinem Beitrag von neulich treu zu bleiben, müsste ich jetzt eigentlich von einem „Lesegerät für elektronische Bücher“ schreiben, aber dabei käme ich mir dann doch blöd vor).
Es handelt sich um den Kobo Aura H2o. Preislich etwa im gleichen Luxus-Segment angesiedelt wie der neue Kindle Voyage (genaugenommen ist er 10 Euro günstiger), bietet er für meine Bedürfnisse mehr Vorteile als das Amazon-Gegenstück. Er hat ein größeres Display, was bei dem eigentlichen Grund für die Anschaffung eines solchen Gerätes – dem Lesen –  ein sehr gutes Argument ist. Er verfügt über eine hervorragende Beleuchtung (okay, da kenne ich die des neuen Kindle noch nicht, weil der erst Anfang November verfügbar sein wird, aber besser als die des bisherigen Kindle Paperwhite ist sie allemal). Und wie der Name „H2o“ schon implizert, ist das Gerät wasserdicht. (Böse Zungen behaupten da natürlich, er wäre perfekt für Pornos, weil man beliebig draufsabbern kann. Dieses Argument finde ich jetzt nicht so überzeugend, aber als in-der-Badewanne-Leser ist man doch sehr beruhigt, wenn man ihn ungestraft ins Wasser fallen lassen könnte.) Außerdem kann der interne Speicher im Gegensatz zu den Kindle-Geräten durch SD-Karten erweitert werden (nicht, dass ich in der nächsten Zeit vorhätte, meinen Kobo mit mehr als 4 GB Büchern zuzumüllen, aber viele Leute legen da Wert drauf). Und der Hauptvorteil: man kann ihn jetzt schon kaufen, nicht erst in über 4 Wochen.
Dagegen können mich die Alleinstellungsmerkmale des Kinde Voyage nicht dazu bewegen, Teil des Amazon Ökosystems zu bleiben: „Tasten“ bzw. drucksensitive Bereiche im Rahmen, mit denen ich im Buch blättern kann, ein Helligkeitssensor, der die Beleuchtung des Gerätes automatisch herunterdimmt, wenn ich z.B. vom Wohnzimmer ins dunkle Schlafzimmer wechsle und eine minimal höhere Auflösung, die mit bloßem Auge vermutlich nicht erkennbar sein dürfte. Das sind für mich alles „nette“ Sachen, auf die ich aber gerne alleine schon für den größeren Bildschirm des Kobo verzichte.

Die genauen technischen Daten des Readers (Maße, Gewicht, Beleuchtungsstärke, welche Formate kann er lesen etc.) lasse ich hier mal weg, die kann man beim Hersteller oder auf zahllosen anderen Seiten im Web nachlesen. Ich halte nichts davon, bereits überall verfügbare Informationen nochmals durchzukauen. Lieber schreibe ich über meinen persönlichen Eindruck.
Der Aura wird in einer relativ einfachen, weiß-bunten Pappschachtel ausgeliefert (warum verwenden manche Leute eigentlich so gerne die Formulierung „kommt in einer einfachen Pappschachtel daher“? Er „kommt“ überhaupt nicht „daher“. Das klingt immer, als käme er fröhlich pfeifend um die nächste Ecke spaziert.) und verzichtet dabei auf überflüssigen Schnickschnack wie Styropor- oder Plastikeinsätze. In der Schachtel findet man noch eine Kurzanleitung, ein Micro-USB-Ladekabel und ein Tuch, um den Bildschirm abzutrocknen, wenn er tatsächlich nass wird (natürlich kann man dafür auch jedes andere Tuch verwenden).
Zu Beginn muss man ihn erst mal mit einem Kobo-Konto anmelden und synchronisieren (eine Tatsache, an der sich manche Leute stören, die mir persönlich aber egal ist, da ich über diese Anmeldung sowieso auch Bücher kaufen möchte). Hat man diese Prozedur hinter sich und das erste Buch gekauft oder sonstwie auf das Gerät geladen (was natürlich z.B. mit Calibre problemlos möglich ist – sogar die Kindle-gekauften Bücher bekommt man damit überspielt), kann das Lesevergnügen auch schon losgehen.

Und wie schlägt sich der neue Kobo nun im ersten Alltagstest? Kurz und gut: ich bin begeistert. Ob mit oder ohne Beleuchtung, das Schriftbild des HD-Bildschirms kommt in meinen Augen tatsächlich an die Qualität von gedruckten Büchern heran. Nur dass man diese „echten“ Bücher nehmen muss wie sie kommen, während der Reader es erlaubt, Schriftart, Schriftgröße, Schriftstärke, Zeilenabstand und Randbreite so einzustellen, wie es den persönlichen Lesegewohnheiten entspricht. Klasse.
War bei meinem Kindle Paperwhite der ersten Generation eine deutliche „Wolkenbildung“ in der Beleuchtung sichtbar (vor allem im unteren Bereich des Bildschirms über den LEDs), haben sie bei Kobo ihre Hausaufgaben gemacht und die Beleuchtung ist perfekt. Keine Wolkenbildung, keine Farbverläufe, keine Lichtabstufungen – nichts. Oder zumindest nichts, was man bei normalem Gebrauch mit normalen Augen als störend empfinden könnte. Einfach nur eine angenehm beleuchtete „Buchseite“, auf der man ermüdungsfrei lesen kann.

Die Oberfläche des Startbildschirms ist (natürlich) unterschiedlich zur Kindle-Optik, aber daran hat man sich schnell gewöhnt. Es gibt die übliche Möglichkeit, die vorhandenen Bücher in verschiedene Sammlungen einzusortieren (auch mehrfach, wie z.B. gleichzeitig in „deutsche Bücher“ und „gelesene Bücher“), so dass das Ganze nicht unübersichtlich wird.

Die Wasserdichtheit habe ich bisher noch nicht überprüft, da ich einfach eine innere Abneigung dagegen habe, elektronische Geräte, für die ich einen Batzen Geld hinlegen musste, ins Wasser zu werfen. Aber diverse Test-Seiten im Internet bestätigen, dass das Dingens wohl dicht ist.

Natürlich gibt es auch von Kobo die (von Kindle ebenfalls) gewohnte Möglichkeit, gekaufte Bücher zusätzlich zum Gerät auch auf dem PC/Mac sowie auf Smartphones und Tablets der gängigen Systeme (iOS, Android, Blackberry, Windows) zu lesen und den aktuellen Lesestand zwischen diesen Geräten zu synchronisieren.

Der einzige Nachteil, den ich beim Kobo Aura H2o finden konnte (und der auch bei allen anderen Beurteilungen im Web kritisiert wird), ist seine Angewohnheit, von der ersten Berührung an Fingerabdrücke zu sammeln wie blöde. Hat man erst mal einige Zeit gelesen, sehen der Rahmen rings um das Display und die Rückseite des Gerätes ziemlich verschmiert und wirklich nicht mehr schön aus. Da hätte eigentlich schon bei den ersten firmeninternen Tests auffallen müssen, dass das Material nicht unbedingt für diesen Zweck geeignet ist.
Aber gut, bei der sonstigen Qualität des Gerätes ist das tatsächlich jammern auf hohem Niveau.

Alles in allem: ich würde ihn auf jeden Fall wieder kaufen.

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