Meine neue Apple Watch

Ja, Lutz, Du hattest Recht. Wenn ich die Apple Watch erst mal in meinen Fingern habe, dann gebe ich sie nicht mehr her.

Nachdem ich von meiner Withings Activité bisher nichts mehr gehörte habe, probierte ich gestern beim Saturn meines Vertrauens beide Modelle der Apple Watch an und natürlich konnte ich den Laden nicht mehr verlassen, ohne eine dieser Uhren mitzunehmen. Das 38 mm-Modell in Aluminium mit weißem Band. Passend zu meinem Alu-silber-weißen iPhone. Ansonsten gefiele mir auch noch das dezent-goldene Alu mit dem dunkelblauen Band, doch das gibt es leider nur in 42 mm.
Aber meine Skepsis war nicht ganz unangebracht. Im Vergleich zu den flachen Uhren, die ich bisher immer hatte, ist sie deutlich klobiger. Und deshalb wollte ich da nichts auf Verdacht irgendwo bestellen, was dann bei meinen dünnen Armen eventuell nicht passt. Ab einem gewissen Kaufpreis will ich Sachen einfach „live“ sehen und probieren, bevor ich das Geld investiere. Die kleine Apple Watch hat auf jeden Fall ein Format, dass sogar meinen kritischen Blick übersteht. Die große wäre aber eindeutig zu wuchtig für mich.

Und damit war der Rest des gestrigen Tages dann angefüllt mit Auspacken, Aufladen (ungewöhnlich, dass Apple Geräte ausliefert, die noch nicht aufgeladen sind), Einrichten und Ausprobieren. Und wie man’s von Apple erwarten kann, lief alles ganz einfach und mehr oder weniger selbsterklärend. Die Kommunikation der Uhr mit dem iPhone könnte nicht besser funktionieren (die Engländer haben dafür das schöne Wort „smooth“), lediglich das Update auf das WatchOS 2 dauerte mit 2 Stunden dann doch ungewöhnlich lange (ist ja nicht so, als wären die Server noch furchtbar überlastet, weil das Update erst gestern herausgekommen ist.).
Wer sich für die Uhr interessiert, der hat ja sicher selbst schon genug von Design, Funktionen und Eigenschaften gehört, wie zum Beispiel, dass sie bei Nachrichten nicht vibriert (also „rüttelt“) wie andere Uhren, sondern wirklich nur einen einzigen dezenten Tap erzeugt, der sich tatsächlich so anfühlt, als würde jemand ans Handgelenk tippen. Ihr eingebauter Pulssensor ersetzt beim Laufen den (doch etwas nervigen) Brustgurt, und ihre Fitnessfunktionen liefern eben nicht nur einzelne Elemente (wie etwa „nur“ gezählte Schritte oder „nur“ die Pulswerte), sondern ein Gesamtpaket, das mich zum Beispiel auch zwischendurch darauf hinweist, dass ich einfach mal wieder aufstehen und mich bewegen sollte, wenn ich zu lange sitze. Klar, solch ein Gesamtpaket kann ich auch bei manchen Fitness-Uhren von Polar & Co. bekommen, aber da werde ich dann eben nicht über Nachrichten, die auf meinem Handy eingehen, informiert. Und ich kann sie auch nicht verwenden, um die Streamingbox im Wohnzimmer fernzusteuern. Die Apple Watch kann das schon. Und durch die zusätzlichen Apps noch viel mehr.
Einige der Apps auf meinem Handy haben auch wirklich schon passende Pendants für die Uhr, so dass ich auch schon deren Installation und Gebrauch testen konnte. Und was soll ich sagen … es fluppt einfach alles.
Gut, an die Interaktion mit Siri muss ich mich erst noch gewöhnen. In aller Öffentlichkeit mit der Uhr zu reden (wie seinerzeit David Hasselhoff als Michael Knight) – da braucht man dann schon eine gewisse Desensibilisierung für peinliche Momente.
Dass man die Uhr praktisch jeden Tag aufladen muss … ja, darüber kann man sich amüsieren, wenn man das Bedürfnis dazu hat. Aber momentan gibt es der aktuelle Stand der Akkutechnik halt nicht her, dass das Gehäuse einer Uhr handgelekenkstauglich ist, sie einen guten Bildschirm hat, mit vielen Funktionen aufwartet und dann die Batterie auch noch möglichst ein Jahr durchhält. Wer gerne eine Automatikuhr möchte oder eine, die mit Knopfzelle läuft, der ist halt bei einer Smartwatch falsch und möge dafür bei jedem Piep das Handy aus der Tasche ziehen, um nachzusehen, was es will.
Jeder muss eine eigenen Prioritäten setzen.

Ich jedenfalls habe jetzt nach einem Tag (mit Einkaufen in der Stadt, mittags essen gehen etc.) schon festgestellt, dass ich das iPhone definitiv seltener aus der Tasche ziehe, weil ich viele Sachen mit der Uhr erledigen kann. So hatte ich mir das vorgestellt.

Es ist aber tatsächlich so: die Apple Watch ist nur für Leute, die sich in der Apple-Welt wohlfühlen. Sie ist auch wirklich kein Stück Technik, das man eigenständig verwenden kann, um zum Beispiel ein Handy zu ersetzen. Ohne iPhone ist sie nicht zu gebrauchen. Aber als „Verlängerung“ für dieses bietet sie ein (für mich) überzeugendes Paket, das es mir wert ist, diesen (Apple-mäßig) stolzen Preis für ein Zusatzgadget zu bezahlen. Android-Benutzer finden sicher Kombinationen von Handys und Uhren, die auch gut zusammenarbeiten (und wahrscheinlich billiger sind). Aber ich bin sicher, dass gerade dieses Apple-typische „etwas weiter denken“ dann doch noch einen kleinen Unterschied ausmacht. (Wie zum Beispiel der einfache, dezente Tap bei Benachrichtigungen, für dessen Entwicklung sie richtig viel Zeit investiert haben – Zeit die andere eben nicht einsetzen.) Und genau dieser kleine Unterschied ist schuld daran, dass ich immer wieder bei neuen Apple-Produkten schwach werde. Sollen mich Kritiker doch als „Apple-Schaf im goldenen Käfig“ bezeichnen. Ganz ehrlich … das ist mir sowas von egal.

 

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