Das Internet der Dinge

Und da dachte ich doch letztes Jahr tatsächlich, dass nach der Zahnbürste mit Bluetooth-Anschluss nichts mehr kommen kann, was noch blöder ist.
Aber doch, natürlich schafft es Procter & Gamble spielend, sich selbst in der Kategorie „Schwachsinn“ zu übertreffen. Sie stellen ihr neuestes Meisterwerk auf der CeBit offiziell vor … den Rasierklingenbehälter mit SIM-Karte (nein, das ist weder ein Scherz noch Satire):

Gillette
Endlich ist die Lösung für das Problem zahlloser Männer da:  ich stelle morgens beim Rasieren fest, dass meine letztze Rasierklinge (die ich jetzt schon wochenlang verwende) stumpf ist und ich dringendst Nachschub brauche. Da ich aber so doof bin, dass mir das erst jetzt auffällt, wo es schon fast zu spät ist, bin ich natürlich auch zu doof, um es mir zu merken, bis ich beim Heimweg von der Arbeit beim Drogeriemarkt vorbeikomme. Und außerdem kaufe ich ja sowieso ständig die falschen Klingen, die zu meinem Rasierer überhaupt nicht passen.
Und genau für Dussel wie mich ist DAS deshalb die perfekte Lösung: ich drücke einfach auf den Knopf an der Plastikschachtel und schon werden mir neue Klingen nach Hause geschickt. Ist das nicht toll?

Okay, zuerst muss ich das überteuerte Teil mal kaufen. Dann funktioniert es natürlich auch nur, wenn ich 3 AAA-Battieren reinstecke. (Man bedenke: 3 (!) Batterien dafür, dass ich alle paar Wochen/Monate einen Knopf drücke und das Ding ein paar Byte an Daten versendet. Das hat bestimmt überhaupt nichts damit zu tun, dass die Batteriemarke Duracell auch zu Procter & Gamble gehört.) Sicherheitshalber muss man den Knopf für 8 Sekunden drücken, um Fehlbestellungen auszuschließen. Wobei die sowieso ausgeschlossen sind, weil erst mal keine Klingen kommen, sondern ein Mail, mit dem ich aufgefordert werde, meine Bestellung zu bestätigen. Und erst dann machen sich die Klingen auf den Weg. Übrigens auch nur von einem einzigen Handelspartner, den Gillette (bzw. Procter & Gamble) vorschreibt. Preisvergleiche gibt es also nicht. Und äh … natürlich muss man sich bei diesem Händler auch zuerst anmelden. Mit Mailadresse und der mit der (Telekom-) SIM-Karte verknüpften Box-ID.
Deshalb gilt, dass, wenn einer zu dämlich ist, die richtigen Rasierklingen rechtzeitig selbst zu kaufen, dann soll er halt Aufwand betreiben und im Zweifel auch mehr bezahlen.

Bleibt jetzt nur noch die Frage, wann der batteriebetriebene Batteriebehälter mit SIM-Karte vorgestellt wird, mit dem man die benötigten AAA-Batterien nachbestellen kann. Ich bin zuversichtlich, dass Procter & Gamble den rechtzeitig zur nächsten CeBit im Angebot hat. Und die haben doch bestimmt noch mehr zu bieten. Vielleicht vernetzen sie ja in Zukunft auch noch Head & Shoulders mit Swiffer, damit ich meine Schuppen mit dem Staubmagneten beseitigen kann. Oder Always mit Pampers, damit Mutter und Kind synchronisiert auslaufen können.

Es lebe das Internet der Dinge – der Tummelplatz für Sachen, die (bisher zumindest) wirklich niemand braucht.
Sollten sie jemals etwas erfinden, das nicht nur dafür da ist, mehr Umsatz und Gewinn zu machen, sondern den Menschen das Leben zu erleichtern, nehme ich diese Aussage selbstverständlich gerne zurück.

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